In der vergangenen Woche ereigneten sich mehrere bedeutende Naturkatastrophen, während sich gleichzeitig sowohl im Pazifik als auch im Atlantik tropische Systeme entwickelten. Obwohl derzeit bei keinem dieser Ereignisse mit wesentlichen Auswirkungen auf ILS-Positionen gerechnet wird, verdeutlichen sie das potenzielle Katastrophenrisiko zu einem Zeitpunkt, an dem wir uns dem Höhepunkt der atlantischen Hurrikansaison nähern.
Am Montag, 10. August, ereignete sich in Kolumbien, rund 5km südlich von San José del Palmar, ein Erdbeben der Magnitude Mw 7,4. Das Erdbeben in mittlerer Tiefe („intermediate-depth“) war in weiten Teilen Westkolumbiens zu spüren. Nach Schätzungen des U.S. Geological Survey (USGS) waren mehr als eine Million Menschen starken Erschütterungen ausgesetzt, bei denen erhebliche Schäden an besonders anfälligen Gebäuden zu erwarten sind. Die Schadensaufnahme dauert weiterhin an. Berichten zufolge wurden jedoch mindestens 50‘000 Häuser beschädigt, darunter mehrere vollständig zerstörte Gebäude. Die Zahl der gemeldeten Todesopfer nähert sich 300. Für Kolumbien wird mit volkswirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe gerechnet. Aufgrund der vergleichsweise geringen Versicherungsdurchdringung dürften die Auswirkungen auf den (Rück-)Versicherungsmarkt jedoch wesentlich geringer ausfallen. Auswirkungen auf ILS werden nicht erwartet.
Zwischen dem 9. und 12. August wurde der Mittlere Westen der USA von einer schweren Unwetterserie getroffen, darunter mindestens neun Tornados sowie ein Derecho im Grossraum Chicago, Illinois. Erste Schätzungen deuten auf versicherte Schäden in Milliardenhöhe hin. Damit könnte es sich um das zehnte schwere Gewittersturm (SCS) Ereignis des Jahres mit Schäden von über einer Milliarde US-Dollar handeln. Die versicherten SCS-Schäden in den USA dürften seit Jahresbeginn bereits USD 35 Mrd. überschritten haben. Obwohl dies eine erhebliche Schadenssumme darstellt, liegt sie weiterhin deutlich unter den jährlichen Rekordschäden der Jahre 2023 bis 2025.
Im zentralen Atlantik bildete sich am 12. August der kurzlebige Tropensturm Cristobal, bevor er sich bereits am 13. August wieder auflöste. Das National Hurricane Center (NHC)) beobachtet derzeit zwei tropische Wellen, die sich in den kommenden Tagen möglicherweise zu tropischen Tiefdruckgebieten oder Stürmen entwickeln könnten. Das erste System, 92L, wird voraussichtlich über das Wochenende in die Karibik ziehen, dort jedoch zunehmend auf ungünstige Umweltbedingungen treffen und sich voraussichtlich auflösen. Das zweite System, 94L, dürfte weiter nördlich ziehen und nordöstlich der karibischen Leeward Islands vorbeiziehen. Derzeit weist dieses System ein höheres Entwicklungspotenzial auf. Solange sich jedoch keine geschlossene Zirkulation ausgebildet und das System nicht zu einem Tropensturm entwickelt hat, bleibt die Prognoseunsicherheit für die kommende Woche hoch. Das Risiko, dass 94L als bedeutender Sturm auf die US-Küste trifft, bleibt derzeit sehr gering.
Im Pazifik setzt sich die aktive Saison mit der Bildung der Tropenstürme Hernan und Lala fort. Lala wird derzeit voraussichtlich über das Wochenende als schwacher Hurrikan der Kategorie 1 südlich der Hawaii Inseln vorbeiziehen, wobei es weiterhin möglich ist, dass die Südküste von Hawaiis Big Island direkt getroffen wird. Der südliche Teil von Big Island ist dünn besiedelt und umfasst grosse Teile des Hawaii Volcanoes National Park. Die möglichen Auswirkungen von Lala auf Hawaii dürften hauptsächlich aus starken Regenfällen, Sturzfluten und lokal begrenzten Sturmfluten bestehen. Wesentliche Auswirkungen auf ILS werden nicht erwartet.
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